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Kohlhaas

nach Michael Kohlhaas von Heinrich von Kleist
Buch: Oliver Czeslik/Uwe Janson
Regie: Uwe Janson

Dem rechtschaffenen Autohändler Kohlhaas aus Ebersbach bei Döbeln widerfährt Unrecht: Der mächtige Konkurrent Tronka verursacht mutwillig grossen Schaden an seinen beiden besten Autos, zwei gebrauchten Mercedes Benz Limousinen. Tronka ist von einflussreichen und korrupten Leuten gedeckt. Trotzdem will Kohlhaas vor Gericht sein Recht einklagen, dass er die Wagen im ursprünglichen Zustand zurück bekommt. Doch das Jahr 1990 ist ein Umbruchjahr, alles ist in Bewegung, der alte Staat noch nicht ganz abgeschafft, der neue noch nicht installiert. Seine Klage wird abgeschmettert. Als seine geliebte Frau bei einem Bittstellergang zu Tode kommt, will Kohlhaas mit Gewalt sein Recht durchsetzen. Er steckt das grosse Autohaus von Tronka in Brand. Dadurch setzt er einen unaufhaltsamen Prozess in Gang von Rebellion, Gewalt, und Tod. Kohlhaas schätzt den Wert der Gerechtigkeit höher als sein eigenes Leben ein. Auch der einflussreiche Pastor Erdmann aus Leipzig, der nun Ministerpräsident ist, kann seine schützende Hand nur bedingt über Kohlhaas halten. Der »Querulant« soll zum Schweigen gebracht werden. Für immer. In einer Leipziger Plattenbausiedlung kommt es zum Showdown und zur Aufgabe von Kohlhaas...

Zeit
Der Film spielt von April bis Oktober 1990, dem Wiedervereinigungsjahr. Es stürzt ineinander, was zusammen wachsen soll, der Osten versinkt beinahe im Chaos. Minister kommen und gehen, Runde Tische ebenfalls, man spricht von »Notanschluss«. Welche Verfassung ist gültig, welches Gesetz greift noch? Viele Chancen werden vertan, aus dem Durcheinander ein kreatives Zusammenspiel der verschiedenen Kräfte zu machen. Der Westen drängt mit Macht in diesen Markt, der Turbokapitalismus setzt zunächst auf Autos und Sex. Vor diesem Hintergrund bekommt Kleists Kohlhaas ein neues filmisches Gesicht, die Wiedervereinigung wird durch die Augen von Kleist neu gesichtet.

Die Räuber von Friedrich Schiller

Kino
B: Oliver Czeslik
R: Uwe Janson

Bruderhass. Wahnsinn. Raserei. Tod. Vernichtung. Vergewaltigung. Kindsmord. »Sternstunden der Mörder«. Schiller. Die Räuber. Heute.

2 Brüder sitzen einander gegenüber. In Zwangsjacken mit Maulkörben. Hilfloses Gestammel am Anfang von Schillers Sprachgemetzel. Weitläufiges Gebäude, fahles Licht. Vogelstimmen. Natur. Psychiatrische Anstalt. Thüringen. In der Entfernung ein einsamer Reiter in Rüstung mit Lanze. In den Bruderköpfen ist alles gespeichert. In spiralförmigen Erzählsträngen erleben wir diesen wahnwitzigen Bruderhass, dessen Konflikt immer über »Bande« gespielt wird. Das Leben als Kampf, ein blutiges heutiges Schachspiel. Während Franz den Vater beerben will, dessen Reichtum sich auf anfänglich krummen Mediengeschäften begründet, dessen Tod strategisch plant, gegen den abwesenden Bruder integriert und dessen Geliebte Amalia umwirbt, ist Karl Clanchef geworden. Clanchef einer mafiaähnlichen Organisation, allerdings mit dem Ziel, in einer Welt bestehend aus Sex und Gewalt wieder Gerechtigkeit herzustellen. Er ist ein Verwandter von Travis Bickle aus »Taxidriver«, nur eben kein Einzelgänger, sondern gefeierter Strassenheld. Karl will aus der Entfernung seinem Vater nah sein, zeigen, dass er ein ganzer Mann ist, nicht angewiesen auf fremde Hilfe. Aus idealistischer Neigung, den Ausgestossenen dieser Welt zu helfen, wird – geleitet durch die Intrigen des Bruders schliesslich - blindwütiges Morden.

Die beiden Perspektiven der ungleichen Brüder umkreisen sich, schlingern auf den Showdown zu, auf die erste unmittelbare Begegnung der Brüder. Kann es einen Dialog geben? Eine Rettung? Aber Franz entzieht sich durch Selbstmord in der Klinik. Karl bleibt in seiner frustrierten Wut zurück und führt die Vernichtung der Familie und der Geliebten blutig und konsequent zu ihrem Ende.

Der Film soll in der Jetzt - Zeit spielen, aber auch die Möglichkeit bieten, die dissoziativen Gedankensprünge der beiden Gegenspieler Franz und Karl Moor bildlich – und synchron durch die Zeiten - zu zeigen. Die Annäherung an Schillers radikale Absage an die normativ »allzu grosse Enge« von Aristoteles und seiner Dramaturgie kommt den Bestrebungen des modernen Kinos sehr entgegen. Wong Kar Wei, Zhang Yimou mit ihren Filmen »2046« und »Hero«, aber auch die Erzähltechnik von »Babel« oder »Magnolia« stehen dafür. Niemand kann versuchen, besser als Schiller selbst zu sein, aber es ist wichtig die richtige Übertragung seiner »Räuber« zu finden, um ihm nah zu sein.

DIE RÄUBER. Im Kino.

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